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Wismut - ein Alleskönner mit goldener Zukunft PDF Print E-mail

Als sächsische Bergleute Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals bei ihren Grabungen im Erzgebirge ein Metall mit dem heutigem Namen Wismut entdeckten, wurde der Grundstein einer Erfolgsgeschichte gelegt, die ihresgleichen sucht. Wie kaum ein anderes Metall findet Wismut heute dank seiner einzigartigen Eigenschaften in nahezu allen Bereichen der modernen Technik und Chemie seine Anwendung. Hauptverbraucher sind neben der Pharma- und Kosmetikindustrie seit einiger Zeit vor allem auch Hersteller von Speziallegierungen. Hinzu kommt noch eine Reihe vielversprechender Technologien, die momentan zwar noch in den Kinderschuhen stecken, in Zukunft jedoch entscheidend für Industrie, Privatverbraucher und Umwelt sein könnten. Die enorme Vielseitigkeit und seine einzigartigen Eigenschaften machen Wismut zu einem Metall, das unverzichtbar für den heutigen technologischen Fortschritt ist.

Als der bekannte deutsche Arzt und Mineraloge Georgius Agricola (1494-1555) seiner Zeit das Wismut untersuchte nannte er es auch Plumbum cinereum, was so viel bedeutet wie aschgraues Blei. Er musste also gewisse Überein-stimmungen im Verhalten von Blei und Wismut gesehen haben. Und tatsächlich sind sich die beiden Elemente in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide sind relativ schwer, ziemlich weich und haben einen niedrigen Schmelzpunkt. Während Blei  auf Grund seiner einfacheren Verfügbarkeit und besseren Handhabung schon in der Antike seinen Siegeszug antrat (Bronze), dauerte es bei Wismut noch einige Zeit länger bis es sich in vielen Bereichen durchsetzen konnte.


Heute verwendet man Wismut in Legierungen, die sich durch einen niedrigen Schmelzpunkt auszeichnen. Als typische Anwendungsbeispiele sollen hier Schmelzsicherungen in z.B. Sprinkleranlagen und Brandmeldern oder Kühlsysteme genannt sein.
In der Medizin schätzt man es vor allem wegen seiner antiseptischen und geruchshemmenden Wirkung, weshalb es dort auch als Mittel gegen Halsschmerzen, Durchfall und Hämorriden verabreicht wird. Die chemische Industrie hingegen nutzt es als Katalysator, z.B. bei der Kunststoffproduktion und möglicherweise auch schon bald im Zusammenhang mit der Herstellung von Nanoröhrchen aus Zinnsulfid.


Da es außerdem im Gegensatz zu Blei als unbedenklich für die Gesundheit und Umwelt gilt, wird es nun in Zeiten von Gefahrstoffverordnungen, Verbraucher- und Umweltschutz, in vielen Anwendungen als mögliche Alternative zu seinem großen Bruder, dem Blei, gehandelt.
In der Elektrotechnik sucht man schon seit einiger Zeit nach einer Substitutionsmöglichkeit für Blei in diversen Anwendungen, wie z.B.  in den Piezokeramiken.


Ein Piezoelement, das einer Druckeinwirkung unterliegt, erzeugt eine elektrische Spannung. In fast allen dieser Piezokeramiken ist bislang Blei als ein wesentlicher Bestandteil enthalten. Dieses könnten aber laut den jüngsten Forschungsergebnissen in Zukunft durch Wismut ersetzt werden.

Dem piezoelektrischen Effekt kann man schon jetzt tagtäglich im begegnen. Beispielsweise bei  Tonabnehmern in den verschiedenen Musikinstrumenten, in denen Schwingungen in elektrische Impulse umgewandelt werden. An Druckfeuer-zeugen, in denen durch Druckausübung kurzzeitig ein elektrischer Strom ausgelöst wird, durch den sich das ausströmende Gas entzündet. Auf vielen anderen Gebieten, vor allem auf öffentlichen Plätzen oder an leicht zugänglichen Stellen war diese Technik wegen des hohen Bleianteils nicht praktikabel. Dies könnte sich allerdings durch den Einsatz von Wismut schlagartig ändern. Weiterhin gilt das Metall unter Normalbedingung als das bisher stärkste bekannte Diamagnetikum.  Als diamagnetisch bezeichnet man ein Material, das dazu neigt, Magnetfeldern zu entfliehen. Diesen Effekt macht man sich unter anderem in medizinischen Analysegeräten oder in der Luft- und Raumfahrtechnik zu Nutze.

Mit einer Weltjahresproduktion von etwa 15.000t (2007) ist das Handelsvolumen des Metalls, welches in der Erdkruste nur wenig häufiger vorkommt als Silber aber relativ gering und wird zu großen Teilen von China kontrolliert. Auf lange Sicht scheint aber auch der wismutverarbeitende Wirtschaftszweig vom Wohlwollen der Chinesen abzuhängen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Wismut nur sehr schlecht recyceln lässt. Gegen kurzfristige politische Muskelspielchen von chinesischer Seite aus, könnte eine genügend große Puffermenge den Bedarf von Industrie und Forschung absichern und somit auch die dafür notwendigen Arbeitsplätze erhalten.
 

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